Alternative Sportarten als Training
10. November 2009
Schlammschlacht im Augarten
8. Dezember 2009

Es war zu erwarten und dennoch….jetzt wo es Realität ist, überwiegt die Traurigkeit.

Kein anderes Inline-Rennen weltweit spiegelt derart die Euphorie und die Tristesse einer
Sportart wieder, die binnen 10 Jahren vom Mauerblümchen-Dasein zum Volkssport und
wieder retour zur Randsportart mutiert und remutiert ist.
Der Inline- One Eleven, ein unglaubliches Unterfangen, ein Speedskating-Rennen auf einem
111 Kilometer langen Rundkurs mit Abfahrten und Anstiegen, die keine Rücksicht auf die
Tempofähigkeiten und den Mut der SportlerInnen nehmen, ist Geschichte.
Aufgrund einer nicht mehr zu finanzierenden Orga (600 Helfer bei 1.000 Teilnehmern) hat
Paul Gubser, der Chef des Veranstaltervereins Anfang des Monats das Aus für das
Kultrennen schlechthin bekanntgeben müssen.

Zwölfmal, von 1998 bis 2009 hat der One-Eleven unter reger highlandischer Beteiligung
stattgefunden. Hier die Chronik eines angekündigten Todes aus heimischer Sicht.

1998
Hier liegen keine Ergebnislisten mehr vor. Vereinsgründer Bernd Polz und Martin Hollerer
(Bruder von Markus Hollerer) waren die ersten Highlander am 111km-Kurs.

1999
Frank Cardin (F) siegt bei den Herren vor drei Landsleuten, 59. wird Martin Dünser in 3:56.23,
Rang 127 belegt Bernd Polz in 4:22.56. Rang 56 belegt übrigens das damalige Nonplusultra
der skatenden Österreicher, Hannes Wolf in 3:54.42. Bei den Damen geht der Sieg ebenfalls
an eine Französin, Carolin Lagree. Platz 8 belegt eine gewisse Elisabeth Schrenk in 4:13.28.
Den „Final-Twenty“, also das Rennen über die letzten 20 (ausschliesslich bergauf führenden)
Kilometer gewinnt die sympathische Schweizerin Franziska Stampfli, ein 14-jähriges Kind
belegt hier Rang 17: Silvana Gämperli.

2000
Bei den Herren siegt zum zweiten Mal nach 1998 der Franzose Philip Boulard, der Highlander
Martin Dünser belegt Rang 60 in 3:53.02.

2001
Bei den Damen siegt erstmals eine Schweizerin, Nadine Benz in 3:33.54, bei den Herren stellt
einer der grössten Ausdauersportler überhaupt, der Franzose Tristan Loy in 3:07.55 einen neuen
Streckenrekord auf. Silvana Gämperli ist nun bereits 16 Jahre alt und fährt beim Final Twenty
sensationell auf Rang 2 in 38.42.

2002
The Year of the Webmaster.
Neuerlicher Schweizer Damensieg durch Celine Weiss, neuerlicher Sieg bei den Herren durch Tristan
Loy. Martin Dünser kämpft sich in 4:12.36 als 46. durch den strömenden Regen und unser damaliger
und auch heutiger Webmaster Richard Goiser kann der Versuchung von 8 Grad und Dauerregen nicht
wiederstehen. Er belegt Rang 161 in 5:01.17. Den Final Twenty gewinnt Nadine Gloor, unsere Silvana
ist…..Richtig!, mittlerweile 17 und findet sich als 3te abermals am Podest wieder.

2003
Dieses Jahr liefert ein aus mehrerlei Hinsicht bemerkenswertes Rennen. Bereits nach 2km, bei der
Ausfahrt aus St.Gallen lanciert Tristan Loy unter kräftiger Mithilfe des Schweizers Roger Schneider
einen erfolgreichen Ausreissversuch, zu zweit riskieren sie bei der Abfahrt vom St.Pelagiberg nach
20km alles und werden dort in der Abfahrt mit sagenhaften 102 Km/h (!) gemessen. Schneider, der
seinem Teamkollegen fast ausschliesslich den Windschatten spendet, gibt (wie abgesprochen) nach
80 Kilometern auf und versteckt sich in einem Wäldchen, damit die Verfolgergruppe nichts davon
mitbekommt. Eine taktische Variante, die Dank fehlender Fernsehübertragung von Erfolg gekrönt war.
Nach 31 Kilometern Solofahrt gewinnt Tristan Loy tatsächlich. 2 Monate vor diesem Rennen denkt sich
ein Grazer Junggebliebener, dass es einmal recht nett wäre, auf Inlineskates ein Rennen zu fahren,
fährt zur Probe beim Grazer AIC (damals im Shopping Center West ausgetragen) mit, kauft sich dannach
beim Hervis ein neues Paar Fitness-Skates, fährt damit nach St.Gallen und kommt tatsächlich in´s
Ziel, und zwar als Letzter in 7:30.15 auf Rang 1027 hauchdünn vor dem Besenwagen……..Hans-Peter Kraus.
Bei den Damen siegt die Italienerin Cinzia Ponzetti und auf Rang 16 finden wir hier Silvana Gämperli,
gefinisht in 3:55.40. Seine beispiellose Visitenkarte gibt vor diesem Rennen der Organisator ab:
Aufgrund der zu erwartenden Hitzeschlacht (37 Grad Celsius) werden an mehr als 1500 Teilnehmer
kostenfrei Trinkgürtel ausgeteilt.

2004
Bei den Herren siegt mit Richard Deniaud abermals ein Franzose. Walter Wemmer nimmt erstmals am
111er teil und finisht in 5:08.21 auf Rang 771. Hans-Peter Kraus, mittlerweile ein Highlander belegt Rang
872 in 5:45.04.

2005
Wieder einmal strömender Regen. Bei den Damen fährt die erst 18-jährige Nicol Begg den einzigen
neuseeländischen Sieg ein, eine weitere Nicol belegt Rang 110, Nicol Schaffer ist in 5:36.07 auch gleich
beste Österreicherin. Bei den Herren holt sich der damals regierende Marathon-Europameister Nicolas Iten
den ersten Schweizer Sieg, Hans-Peter Kraus belegt Rang 540 in 5:19,26, Walter Wemmer wird 585ter
in 5:36.02.

2006
Die in St.Gallen lebende Französin Anne-Claire Mailard siegt überraschend im Damenbewerb, Nicol Schaffer
belegt Rang 77 in 5:11.49, Silvana Gämperli muss das Rennen auf Rang 13 liegend, bei Streckenhälfte beenden.
Trotz abermaligem Wetterchaos steigert sich Hans-Peter Kraus auf 4:48.09 (Rang 335), Walter Wemmer
belegt Rang 485 in 5:16.41. Es siegt der Schweizer Marc Christen, kurz zuvor auch erster Schweizer Sieger in
einem Weltcuprennen (Rennes), kurz dannach beendet er jedoch mangels Perspektive seine kurze, erfolgreiche
Laufbahn.

2007
Anne-Claire Mailard wiederholt ihren Vorjahressieg, ein neues Highlander-Gesicht belegt den guten Rang 32,
Constanze Recke in 4:25.48, die mit viel Vorfreude und auch viel Respekt in dieses Rennen gegangen war,
nicht weit dahinter auf Rang 45 in 4:37.17 kommt Nicol Schaffer in´s Ziel.
In diesem Jahr befindet sich das Haupt- und Schlafquartier erstmals nicht im Messegelände, sondern in der
Leichtathletik-Halle. Dort teile ich mir den Frühstückstisch mit einem ruhigen, konzentrierten Italiener:
Massimiliano Presti, der dreieinhalb Stunden später das Rennen in einem sagenhaften Zielsprint gewinnen
sollte. Ich selbst finishe in meinem letzten One-Eleven auf Rang 250 in 4:24.35 und bin bis heute stolz darauf.
Walter Wemmer belegt Rang 492 in 5:07.08.

2008
Massimiliano Presti siegt diesmal Solo, Walter Wemmer verfolgt aufgrund Handbruchs das Rennen als Zuseher.
Die weltbeste Helferin sorgt für den ersten argentinischen Sieg: Tamara Llorens. Nicol Schaffer kommt am
sensationellen 29 Rang in´s Ziel und stellt mit 4:24.52 highlandische Damenbestzeit auf. Ihre mittlerweile
Team-Kollegin Silvana Gämperli wohnt dem Rennen als Zuseherin bei.

2009
Der letzte One-Eleven, wie wir jetzt wissen. Ruben Martinez und Tamara Llorens sorgen für einen argentinischen
Doppelerfolg. Nicol Schaffer (25. in 4:28.40) und Walter Wemmer (350. in 5:21.57) können das Privileg für sich
verbuchen, auch am letzten 111er dabei gewesen zu sein.

Man könnte nun in diesen traurigen Anlass hineininterpretieren, dass der Rollsport daniedergeht. Das stimmmt
jedoch so nicht. In den Booming Days als Trendsportart liesen sich die Meldelisten mit massenhaft ampitionierten
Fitnesssportlern füllen. Das ist nun eben nicht mehr möglich. Der Rollsport hat eine andere Richtung eingeschlagen.
Ambitioniert genauso, betrieben jedoch als ernsthafter Vereinssport.

Unzählige Eindrücke aus 5 Teilnahmen werden mir in Erinnerung bleiben: Die Nacht vor dem Rennen im Schlafsack
gemeinsam mit bis zu 500 anderen Freaks in der Messehalle, die 8 Herrentoiletten für ebensoviele Nächtiger….,
Nudeln mit Schwarzbrot zum Frühstück, Start um 7 Uhr morgens im immerkalten (auf immerhin 700m Seehöhe
gelegenen) St.Gallen, bei Schönwetter tausende Zuschauer an der Strecke auf Campingmöbeln frühstückend,
der 100-Höhenmeter-Ansteig bei KM90, der mir jedes Jahr auf´s Neue die Zornesröte in´s Gesicht getrieben hat,
die skatenden Verpfleger, die Festwirtschaften in den Ortschaften an der Strecke, die Schmerzen knieabwärts
(spätestens bei KM80 einsetzend), das Schild „KM100“, das Schild „Noch 500m“, das Ziel…..

Wer je dabei war, weiß wovon ich spreche.

Text: Hans-Peter

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