EM 2015, Wörgl und Innsbruck (19.07.2015 – 26.07.2015)

Sommersportwochen der Stadt Graz (13.07.2015 – 17.07.2015)
17. Juli 2015
Vereinstraining in Puntigam (03.08.2015)
3. August 2015

The Balance – Was für eine Woche!

Eine Woche, die am Nachmittag des 19.07.2015 mit einem kuriosen Ereignis begonnen hat, welches sich im Laufe der Woche noch wiederholen sollte. Einem Hagelschauer nämlich, der in und um Wörgl alles kaputtgemacht hat was nicht geschützt war. Besonders betroffen die Sportler und Betreuer der slowakischen und polnischen Mannschaften welche zu diesem Zeitpunkt gerade trainiert haben und ihre Autos nicht in Sicherheit bringen konnten. Ich konnte dies zum Glück und habe mein Auto in einem (fremden) Carport versteckt.

Das nächste Naturereignis hat uns bei der Eröffnungsfeier ereilt, Sturm mit Starkregen. Ewig schade, die Veranstalter haben sich da einiges angetan, Einzug der Nationen, Drummer-Band, Showdance-Gruppe, Ansprachen, das alles ist mehr oder weniger dem Unwetter zum Opfer gefallen. Ach ja, „uns“ wäre noch zu definieren, das war die Kampfrichterin Karin, die Fans Regina, Kathi, Hans-Peter und der Sportler Lukas, zum zweiten Mal als B-Junior für die EM qualifiziert (diesmal mit voller Erfüllung des erforderlichen Limits).

Am Programm gestanden sind wie üblich 3 Tage Bahn, 1 Tag Ruhe, 2 Tage Straße, 1 Tag Marathon. Wetter- und Kampfrichter-bedingt wurde da zwar einiges umgemodelt, grundsätzlich hat’s aber so stattgefunden, die Bahnbewerbe in (no-na) Wörgl, der Rest in Innsbruck. Der uns aus den Meisterschaften 2010, 2011, 2012, 2013 bekannte und geliebte Parkplatz in Innsbruck wurde zu diesem ordentlich aufgeputzt und ist (zumindest) für den geneigten Zuseher würdig erschienen, perfekt wird er wohl allein aufgrund der gewölbten Kurven nicht gewesen sein. Wenn man da an Straßenkurse aus der näheren Vergangenheit denkt (Macerata, Zanvoorde) dann kann getrost sagen dass da alles gepasst hat.

Die Zuschauer: Wahnsinn. So viele Leute hat die Bahn in Wörgl noch nie gesehen. Mit 5.000 wurde die Besucherzahl an den ersten drei Tagen offiziell angegeben, bin mir nicht sicher ob das nicht zu tief gegriffen war. Naturgemäss an den Nachmittagen war’s schon echt toll voll. Die Stimmung war bis dato nur in Italien besser, weil dort doch echte Menschenmassen kommen, aber sie war wirklich gut, die Fans aus Belgien und Holland waren wie üblich Garant dafür. Erfreulich: Vor allem in Wörgl hat man doch Leute aus dem Ortsbild ohne direkten Bezug zum Skating als Zuschauer gesehen. Auffallend wenig Besucher aus der österreichischen Skating-Szene waren zu vermelden. Ihr habt etwas versäumt, ihr Daheimgebliebenen.

Die Platzsprecher: Also diese Doppelconference hat das Zeug zum Kult-Status. „Ohl se Tschunioa-Pii-Skeders, plies kam du se inseid of se dreck“ oder „three rounds in front of the end“ oder „Attention please!“ war kurzweilig amüsant und wird mir noch lange im Ohr hallen. Weniger gut ist schlecht recherchiertes Halbwissen. Wir sind kein Mode- sondern ein Traditionssport dessen Bewerbe seit über 100 Jahren ausgetragen werden. Bei der Eröffnungsfeier (und mehrmals während der Veranstaltung) zu sagen dass die Europameisterschaften erstmals 1989 in Pico, Portugal ausgetragen wurden (nur weil auf Wikipedia die ältesten Resultate aus 1989 stammen), das finde ich nicht so gut, lieber Bernhard (obwohl ich dir die exakt erste EM auch nicht nennen kann, da die CERS-Seite seit 2 Jahren im Aufbau ist, nur soviel: 1. ÖM 1935, 1. WM 1937, Gründung ÖRSV 1937, den 1.TopTen-Platz für Österreich bei einer EM hat’s nach mündlicher Überlieferung (Werner, räum bitte dein Archiv auf J ) für eine Cadettenläuferin (deren Namen ich vergessen habe, obwohl ich mit ihr den Übungsleiterkurs 2009 in Wien besucht habe) im 3.000-Punkte-Rennen bei bei der EM 1984… in Marina di Grosseto gegeben). Übrigens, und weil’s zum Thema passt, ebenfalls im Publikum gesehen habe ich den Coach der Birmingham Wheels, den Briten John E.Fry, der 1971… seinen ersten Europameistertitel bei der EM in Wetteren (Belgien) gewonnen hat und seinen letzten bei der Straßen-EM 1984…in Wien.

Die Verpflegung: Muss man einfach gesondert erwähnen. Normalerweise ist das ja so dass das die Veranstalter gerne an externe Betreiber auslagern, nicht so die Sportfreunde aus Wörgl. Die Mengen die da palettenweise jeden Tag in das Verpflegungszelt gekarrt worden sind, das war schon beeindruckend. Zusätzlich zu hunderten Portionen pro Tag wurde auch noch extra für das Ö-Nationalteam und für die Kampfrichter gekocht. Beeindruckend.

Die Sportler: Als während der Saison unsere Europacup-Ergebnisse eher schwach waren, habe ich mich mit der vermeintlichen Tatsache getröstet, dass die EC’s stärker besetzt sind als die EM (max. 3 Läufer pro Rennen). Irrtum! Die Tatsache dass man im EC kaum Starter aus Spanien, Portugal, Frankreich begrüssen darf hat zu dieser meiner Fehleinschätzung geführt. Phantastisches Niveau! Und es waren die SportlerInnen aus den vorgenannten Nationen die den Bewerben noch einen extra Niveau-Kick gegeben haben. Die Franzosen bei den Herren und die spanische Damenmannschaft haben mich besonders beeindruckt. Dass Italien nach wie vor die erfolgreichste Mannschaft gestellt hat war wohl zu erwarten, die Dominanz vergangener Jahre war aber nicht soo eklatant. Die Langstreckenduelle bei den Herren (Francolini-Swings-Contin) sind nach wie vor ein Genuß, dass bei den Aktiven Damen ein neues Gesicht die Kurzstrecken dominiert, dazu kommen wir später noch. Ein Gruß an dieser Stelle wie immer an Nejc Mavsar, die slowenische 2-Mann-Mannschaft war für 2 Top-Ten-Platze gut, Gratulation. Aprospos klein, Finnland, Schweden, Ukraine haben diesmal gefehlt, 18 teilnehmende Nationen kann man aber als repräsentativ bezeichnen. 2010 bei der EM in San Benedetto ist mir auf der Langstrecke eine Cadettin aufgefallen, die ich für mich selbst als die zukünftige „Beste aller Zeiten gehalten“ gehalten habe, Sandrine Tas. Mittlerweile ist selbige bei den Aktiven angekommen und auch im Sprint Medaillengewinnerin. Ihren Landsmann Bart Swings brauch ich hier nicht vorstellen, nur soviel: 1.000m Bahn im Halbfinale in 1:16,914 und damit ganze 4 Sekunden unter seinem eigenen Weltrekord aus 2013, bitte was ist denn hier los? Leider wird diese historische Zeit in den Archiven verschwinden, Weltrekorde werden als solche nur noch dann anerkannt, wenn sie bei Weltmeisterschaften aufgestellt werden (was für ein Unfug).

Die österreichischen Sportler: Vanessa Bittner, was soll ich sagen. 5 mal Gold in 5 Rennen. Über 300m Bahn (25,973) und über 1.000m Bahn (1:25,820) unter der alten Weltrekordzeit geblieben (zählt nicht wie wir jetzt wissen). Die erste österreichische Europameisterin bei den Aktiven Damen überhaupt, ich bin neugierig was als nächstes kommt. Dass die Vanessa ihre letzten Trainings vor der EM bei uns in Graz abgehalten hat, das freut mich. Nahezu jeder österreicheichische Sportler ist zumindest einmal bis in ein Semifinale vorgedrungen, TopTen-Plätze gab’s mehr als sonst, auf die Medaillen fehlt aber noch einiges. Viele Stürze mit teils erheblichen Verletzungen (Hager, Heidegger, Amort, Hahnekamp und leider auch Lukas).

Der Lukas: Wir kennen die Größe (oder mittlerweile die „Kleine“) unseres Vereins, wir kennen die Trainingsplätze im Sommer (im Winter haben wir’s top, muss man ehrlich sagen) und trotzdem stellen wir 2 LäuferInnen im Nationalkader. Wir brauchen uns nicht zu verstecken. Lukas war zum zweiten Mal dabei, hier seine Ergebnisse (Rennen / Platzierung / Zeit / Anmerkung):

Bahn:
300m / 22. / 27,049sek / Pers.Bestleistung, Vereinsrekord, vermutlich Steir. Rekord 5.000m Punkte / 29. 500m / 21. / 43,094 / Pers.Bestleistung, Vereinsrekord, vermutlich Steir. Rekord 10.000m Elimination / 29. / eliminiert / schwerer Sturz nach 10 Runden, bester Österreicher 1.000m / 16. / 1:25,419 3.000m-Staffel (mit Hauer und Amort) / 7.

Straße:
200m / 19. / 20,270sek 15.000m Elimination / 29. / in Massensturz nach 3 Runden verwickelt 500m / 26. / 48,591 10.000m Punkte / 27. Lukas hat sich für die Eliminationen am Meisten vorgenommen und Top20 als Parole für die Bahn-Elimination ausgegeben, dass er ausgerechnet in beiden Eliminationen unverschuldet zu Sturz gekommen ist, das war tragisch. Umso mehr habe ich mich über Platz 16 über 1.000m gefreut. Ganz stark war sein 500er auf der Bahn, gut auch die Platzierung über 200, gut die Staffel, ausbaufähig die Straßenrennen (im Context zur Sturz- Historie aber sehr verständlich). Lukas hat sich und uns sehr gut präsentiert.

Die Team-Leitung: Ist es frech wenn ich hier formuliere, dass man aus 2014 gelernt hat? Möglich. Gratulation an Nadja und Andras, die Sportler waren gut versorgt und wussten immer wann was wie zu tun ist.

Und sonst: Regina hat die Arsch-Karte gezogen und musste nach dem Eliminationsrennen der Herren „Chaparone“ spielen und den Sieger Alexis Contin zur Doping-Kontrolle begleiten und bis zur Urin-Abgabe überwachen. Eineinhalb Stunden Einschulung und zwei Stunden Wartezeit bis das Lulu kommt, mehr Aufwand war das gar nicht. Interessant an dieser Stelle zu beobachten, dass sich Contin und Swings (als Zweitplatzierter ebenfalls kontrolliert) im Rennen einen harten und nicht fairen Kampf geliefert haben, beim gemeinsamen Warten aber sehr freundschaftlich miteinander umgegangen sind.

Die EM im Vergleich: In den vergangenen 11 Jahren war ich bei 7 skaterischen Großereignissen dabei. Die EM 2015 in Wörgl/Innsbruck war die Beste, die ich bis jetzt gesehen habe (und das obwohl ich nun zum bereits 29. Mal in Wörgl war und mir allein die Fahrt dorthin zum Hals heraushängt)!

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Surf: http://www.britishskatinglegends.com/fryjohnedward.htm
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Surf: http://www.oersv.or.at/
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